Mitarbeiter-Interview: Arbeitsalltag einer Transfergesellschaft

Wir freuen uns darüber, dass unser Mitarbeiter Herr Hans-Peter Stopp bereit ist uns und Ihnen im nachfolgenden Interviews einen umfassenden Einblick in die Arbeitsweise als Qualifizierer in einer Transfergesellschaft zu geben. Er ist tätig im Außenbüro der BAQ GmbH in Saarbrücken / Saarland.

BAQ GmbH: Hallo Herr Stopp, danke, dass Sie bereit sind, auf die nachfolgenden Fragen einzugehen: Wie würden Sie Ihre Arbeit als Qualifizierer beschreiben? Wofür sind Sie zuständig?

Hans-Peter Stopp: Ein Qualifizierer in einer Transfergesellschaft prüft zunächst den Qualifizierungsbedarf eines jeden Teilnehmers. Zum einen erkundigt er sich über den Bedarf des Mitarbeiters selbst, zum anderen, was das Berufsbild auf dem Arbeitsmarkt fordert und was evtl. zukünftige Arbeitgeber fordern könnten. Dafür sind sehr gute aktuelle Kenntnisse des Arbeitsmarktes notwendig sowie ein tiefes Wissen über alte und neue Berufsbilder. Ist die Richtung klar, sondieren wir gemeinsam den Angebotsmarkt von Bildungsträgern und erstellen einen Fahrplan, wo je nachdem ein oder mehrere Maßnahmen besucht werden sollen. Auch die Kostenfrage stellt sich dann, denn hochwertige Weiterbildungen kosten Geld. Dank der meist recht guten Abfindung in den Sozialplänen ist dies aber eher kein echter Knackpunkt.

Können Sie uns einen kurzen Einblick in den Ablauf einer beE (betriebsorganisatorisch eigenständigen Einheit) bei der BAQ GmbH geben?

Vor dem Beginn einer beE steht eine längere Beratungs- und Planungsphase. Wir unterstützen das Unternehmen und den Betriebsrat bei der Kostenermittlung, der Erstellung des Sozialplans und informieren die zukünftigen Transferangestellten in Mitarbeiterversammlungen über die Ziele und Vorteile einer Transfergesellschaft. Dann gehen wir in das Profiling (welches uns die Agentur für Arbeit akribisch vorgibt). Nach dem Eintritt in die beE laden wir zum sogenannten Erstgespräch ein, in dem wir uns sehr intensiv mit der privaten und beruflichen Situation des einzelnen Mitarbeiters beschäftigen. Wir optimieren – wenn möglich – die Bewerbungsunterlagen bzw. bereiten aus den beruflichen Unterlagen (Arbeits- und Schulzeugnisse, Lebenslauf, Qualifizierungen) eine „griffige“ Bewerbungsmappe vor. Bereits jetzt sondieren wir den Arbeitsmarkt, um Weichen für passgenaue und zielgerichtete Bewerbungen oder Qualifizierungen zu stellen.

In der Transferphase haben wir auch immer ein offenes Ohr für dieTransfermitarbeiter, denn der Verlust des Arbeitsplatzes ist für die meisten eine zum Teil sehr traumatische Erfahrung. Und genau wie beim Verlust eines nahen Menschen haben wir die einzelnen Stationen, wie Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Depression, hektische Aktivität und die Suche nach den Schuldigen. Sind die Transferteilnehmer „in der Realität“ angekommen, betrachten wir den Arbeitsmarkt sehr genau und starten erste Bewerbungen um die Markttauglichkeit des Profils zu testen.

Parallel bitten wir alle Mitarbeiter zu unserem Bewerbertraining, in dem wir sehr großen Wert auf die „Passgenauigkeit“ einer Bewerbung legen. Wir zeigen den kompletten Hintergrund von Kommunikationsstrukturen, Verhaltensmustern, Organisations- und Personalpsychologie sowie von Organisationsentwicklung und Prüfverfahren auf. Die Bewerbung ist die erste Arbeitsprobe, das muss sehr präzise sein und das Vorstellungsgespräch ist „gar nicht so schlimm“. Das sind die Eckpunkte.

Da die Transferangestellten unsere Arbeitnehmer sind, stellen wir auch Urlaubsanträge aus, kümmern uns um Krankenscheine, reden mit Krankenkassen und Ämtern: kurz, übernehmen das gesamte Personalwesen. Wir beraten und aktualisieren die Bewerbungsaktivitäten der Teilnehmer und versuchen Praktika einzurichten, da dies einen enormen Mitnahmeeffekt hatte und hat.

Wir reden mit zukünftigen Arbeitgebern – hier im Saarland aber auch bundesweit – mit Headhuntern und Personalvermittlern in besonderen Branchen, da, wo unsere Fachkenntnisse nicht ausreichen. Ist ein Arbeitsvertrag zustande gekommen, darf der Mitarbeiter entscheiden, ob er eine Ruhensvereinbarung mit uns eingeht und somit ein Rückkehrrecht besitzt, oder ob er den Vertrag mit uns kündigt. Natürlich stehen wir über den gesamten Transferzeitraum und auch noch darüber hinaus für Fragen und Beratungen zur Verfügung.

Wie gehen Sie mit Mitarbeitern um, die emotional mit der bevorstehenden Situation nicht umgehen können?

Mein Grundsatz – und auch der aller meiner Kollegen – ist, dass man die Menschen dort abholen muss, wo sie gerade stehen. Und zum Beginn einer beE „stehen“ die meisten nicht, sondern befinden sich im freien Fall. Wir versuchen von Anfang an, den Menschen eine realistische Einschätzung ihrer Situation „beizubringen“, auch nicht zu viel zu verdrängen, aber auch nicht zu sehr schwarz zu sehen. Wir haben Transfermitarbeiter, die benötigen zu Anfang eine sehr intensive Betreuung (das sind 4 bis 6 Gespräche pro Woche!), bis sie sich soweit orientiert haben. Andere halten uns ein wenig auf Distanz, da sie nicht gerne an ihre Situation erinnert werden. Dazu kommen oftmals private Probleme in den Beziehungen, in der Kinderbetreuung, im finanziellen Bereich. Auch da versuchen wir, als Transfergesellschaft zu helfen, soweit wir können, geben aber ab einem bestimmten Level an die dafür vorgesehenen professionellen Einrichtungen ab. Wir sind telefonisch fast immer zu erreichen, so dass uns die Mitarbeiter als Coach und Berater erleben, die sehr viel Verständnis gerade für ihre persönliche Situation haben. Das hat uns in der Vergangenheit sehr gute Ergebnisse in der Betreuung gebracht.

Das Interview besteht aus zwei Teilen. In der nächsten Woche wird Herr Stopp uns weitere Fragen beantworten. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Qualifizierer der BAQ GmbH

Zur Person:

Hans-Peter Stopp ist seit über 20 Jahren als Vermittler und Qualifizierer tätig.

Er hat bereits mehr als 500 Arbeitnehmer in eine neue Beschäftigung begleitet.

Bei der BAQ GmbH in Saarbrücken ist er seit drei Jahren tätig.

Bei Fragen zu seiner Tätigkeit oder seinen Projekten steht er Ihnen gern zur Verfügung.

Telefon: 0681 / 9456189

Telefax: 0681 / 94 56 100

E-Mail: stopp@baq-gmbh.de

XING: https://www.xing.com/profile/HansPeter_Stopp2

 Mitarbeiter-Interview: Arbeitsalltag einer Transfergesellschaft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *